Mein Leben funktioniert.
Das ist ja das Problem.
Es gibt keinen großen Mangel, keine Katastrophe, keinen offenen Bruch.
Ich stehe auf, ich erledige Dinge, ich helfe Menschen.
Man bedankt sich bei mir.
Man sagt, es läuft.
Und innen?
Innen fühlt es sich an, als würde ich unter Wasser stehen und so tun, als wäre das normal.
Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich will, dass etwas passiert.
Nicht ein bisschen.
Sondern richtig.
Ein innerer Zusammenbruch.
Ein Moment, in dem ich nicht mehr halten kann.
In dem ich nicht mehr stark bin, nicht mehr funktioniere, nicht mehr die ruhige Version von mir selbst spiele.
Warum wirkt das verlockend?
Warum fühlt sich Eskalation ehrlicher an als Stabilität?
Warum glaube ich, dass ich erst dann wirklich etwas spüre, wenn es wehtut?
Man sagt, man wolle kein Drama.
Aber vielleicht stimmt das nicht.
Vielleicht will man Beweis.
Beweis, dass man noch reagiert.
Beweis, dass unter der Oberfläche noch etwas lebt.
Ich merke, wie weit ich manchmal innerlich gehe, nur um zu sehen, ob ich mich noch erreiche.
Wie ich an Grenzen denke, die ich längst hinter mir gelassen haben wollte.
Nicht, weil ich sterben will.
Sondern weil ich fühlen will.
Das ist schwer zuzugeben.
Denn alles läuft.
Undankbar darf man nicht sein.
Unzufrieden schon gar nicht.
Aber was, wenn das Funktionieren selbst zur Betäubung wird?
Was, wenn man sich nach einem Riss sehnt, nur damit endlich Luft hineinkommt?
Heute ist nichts kaputtgegangen.
Stattdessen liege ich da und höre meinem Partner beim Schlafen zu.
Er atmet, als gäbe es keine Fragen.
Kein Untergehen.
Kein Halten.
Nur Ein.
Und Aus.
Und während ich zuhöre, merke ich:
Vielleicht will ich gar nicht, dass etwas kaputtgeht.
Vielleicht will ich nur, dass endlich jemand merkt, wie viel ich festhalte.